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Leistung 06

3D-Scan — vom Bauteil zur Datei

Für Teile, von denen es keine Zeichnung gibt — und für Teile, bei denen geprüft werden soll, ob sie der Zeichnung entsprechen. Zwei Scanner nehmen die Geometrie auf, auch dort, wo Messschieber und Messuhr aufgeben.

Wofür sich ein Scan lohnt

Ein Bauteil abzumessen ist einfach, solange es aus Zylindern, Bohrungen und geraden Flächen besteht. Sobald Freiformflächen ins Spiel kommen — eine gewölbte Abdeckung, ein Griff, ein gegossenes Gehäuse, eine organisch geformte Halterung —, wird Messen zur Schätzerei.

Die Scanner nehmen solche Geometrien vollständig auf. Daraus entsteht eine Datei, mit der sich weiterarbeiten lässt: nachkonstruieren, anpassen, fertigen, prüfen oder einfach archivieren.

Typische Aufträge

  • Ersatzteile ohne Zeichnung digitalisieren
  • Bauteile mit Freiformflächen erfassen
  • Gefertigte Teile gegen die CAD-Datei prüfen
  • Verzug nach Druck, Guss oder Wärmebehandlung erfassen
  • Anpassteile an vorhandene Geometrie konstruieren
  • Passformen an unregelmäßigen Untergründen
  • Geometrie vor einem Umbau dokumentieren
  • Formen, Modelle und Prototypen sichern
  • Objekte für Visualisierung und Modellbau
  • Beschädigte Teile vor der Reparatur erfassen

Die Scanner

Klein und genau, oder groß und schnell

Für den Scan stehen zwei Geräte bereit, und sie teilen sich die Arbeit nach Größe und Anspruch des Teils.

Kleine und mittlere Bauteile — alles, bei dem es auf Hundertstel ankommt — erfasst der MetroY Ultra mit blauen Laserlinien. Blaues Licht kommt mit dunklen und glänzenden Oberflächen deutlich besser zurecht als Weißlicht; viele Teile lassen sich damit ohne Mattierungsspray aufnehmen. Ganz kleine Teile laufen auf dem Drehteller automatisch rundum durch.

Alles Größere übernimmt der EinScan-Pro+: freihand bis vier Meter Objektlänge, auf Wunsch mit Farbe. Dafür sinkt die Genauigkeit, dafür ist praktisch keine Objektgröße im Weg.

Revopoint MetroY Ultra, CMM-Edition — für Präzision
Betriebsart Farbe
34 Kreuzlinien
Schnelle Erfassung mittelgroßer Bauteile
nein
15 Parallellinien
Feine Details, Kanten und Radien
nein
Einzellinie
Tiefe Taschen, enge Spalten, Bohrungen
nein
Streifenlicht
Flächige Aufnahme ohne Laserlinien
nein
Drehteller, automatisch
Kleinteile rundum, auch mit Farbe
ja
Geprüft, nicht nur angegeben. Bei der Prüfung mit der Kugelplatte am 19.10.2026 lag die Messabweichung des MetroY Ultra bei 0,006 mm. Das ist der Wert unter Idealbedingungen an einem kleinen Prüfkörper. An einem vollständigen Bauteil kommt hinzu, dass mehrere Aufnahmen zusammengesetzt werden — der Hersteller gibt dafür 0,015 mm + 0,04 mm je Meter Bauteillänge an. Für ein Teil von 200 mm Länge heißt das rund zwei Hundertstel.
Shining3D EinScan-Pro+ mit Industrial Pack und Color Pack — für große Objekte
Betriebsart Genauigkeit Objektgröße Punktabstand Farbe
Drehteller, automatisch
Kleinteile mit höchster Genauigkeit
0,05 mm 50 bis 150 mm 0,24 mm ja
Drehteller, frei
Kleinteile, Ausrichtung von Hand gewählt
0,05 mm 50 bis 150 mm 0,24 mm ja
Freihand HD
Größere Teile, wenn Detailtreue zählt
0,1 mm 100 mm bis 4 m 0,2 bis 3 mm nein
Freihand schnell
Große Objekte, wenn Tempo zählt
0,3 mm 150 mm bis 4 m 0,5 bis 3 mm ja
Zur Genauigkeitsangabe. Die Werte des EinScan gelten laut Hersteller je Einzelscan. Ein vollständiges Bauteil entsteht aus mehreren Aufnahmen, die zusammengefügt werden — über das ganze Teil summiert sich dabei eine gewisse Abweichung auf. Wenn du ein Maß auf Hundertstel brauchst, sag es bei der Anfrage; dann kommt das Teil auf den MetroY, oder ich messe die kritischen Stellen zusätzlich nach.

Scannen und vermessen

Wenn es nicht um die Form geht, sondern um das Maß

Scannen und vermessen sind zwei verschiedene Aufgaben, auch wenn dasselbe Gerät sie erledigt. Beim Scannen geht es um die Geometrie: Wie sieht das Teil aus, wie bekomme ich es in eine Datei. Bei der Vermessung geht es um eine Frage mit Ja oder Nein als Antwort — stimmt das Teil mit dem überein, was es sein soll?

Soll-Ist-Vergleich

Wenn es eine CAD-Datei gibt, wird der Scan darübergelegt. Das Ergebnis ist eine Farbkarte der Abweichungen: Wo liegt das gefertigte Teil über Maß, wo darunter, wo hat sich etwas verzogen. Das ist die schnellste Art, ein ganzes Bauteil auf einmal zu prüfen, statt dreißig Einzelmaße abzufahren. Ausgewertet wird mit Revo Measure, einer Messsoftware mit laut Hersteller PTB-zertifizierten Auswertealgorithmen.

Typische Fälle: ein Gussteil gegen das Konstruktionsmodell, ein Bauteil vor und nach einer Wärmebehandlung, ein Werkzeug nach längerem Einsatz, ein Nachbau gegen das Original.

Form und Lage

Neben Längen und Abständen lässt sich prüfen, ob eine Fläche eben ist, eine Bohrung rund, ein Zapfen zylindrisch — und ob Bohrungen dort sitzen, wo sie sitzen sollen. Dazu Schnitte durch das Bauteil an beliebiger Stelle, mit Maßen im Schnitt.

Einzelmaße

Aus dem Scan lassen sich Abstände, Durchmesser, Winkel und Bohrungslagen direkt abgreifen — auch an Stellen, an die kein Messschieber kommt. An kritischen Maßen messe ich zusätzlich mit Messschieber und Messuhr nach und nenne dir beide Werte.

Der Prüfbericht

Das Ergebnis bekommst du als PDF: Messwerte, Abweichungskarte und Farbkarte in einem Dokument. Das gilt auch für Teile, die ich für dich fräse oder drucke — auf Wunsch geht der Bericht gegen deine Datei zusammen mit dem Teil raus.

Wo die Grenze liegt. Der Bericht dokumentiert die Messung nachvollziehbar, und der Scanner wird regelmäßig mit der Kugelplatte auf seine Genauigkeit geprüft. Ein akkreditiertes Prüfprotokoll mit Rückführung auf nationale Normale ist das trotzdem nicht. Für vertragsrelevante Abnahmemessungen brauchst du weiterhin ein akkreditiertes Messlabor. Sag bei der Anfrage, wofür die Zahlen gedacht sind — dann sage ich dir vorher, ob ich der Richtige dafür bin.

Farbe und Textur

Mit dem Color Pack des EinScan wird nicht nur die Form aufgenommen, sondern auch die Oberfläche — Farbe, Beschriftung, Musterung, Alterungsspuren.

Das ist überall dort nützlich, wo das Aussehen zählt und nicht nur die Geometrie:

  • Digitale Archivierung — ein Objekt so festhalten, wie es heute aussieht, samt Gebrauchsspuren und Beschriftung
  • Produktentwicklung — vorhandene Muster mit Oberfläche erfassen, statt Form und Erscheinung getrennt zu dokumentieren
  • Visualisierung und Modellbau — Modelle, die ohne Nachbearbeitung schon richtig aussehen

Beim EinScan wird in der genauesten Freihand-Betriebsart keine Textur erfasst — dort geht Detailtreue vor Farbe. Beim MetroY entsteht Farbe nur auf dem Drehteller.

Was du bekommst

Du kannst den Scan allein beauftragen — du bekommst die Datei und arbeitest damit, wo du willst. Oder du lässt gleich weitermachen.

Lieferformate
STL Das gängige Format für 3D-Druck und Weiterverarbeitung
OBJ Mit Texturinformation, für Visualisierung und Modellbau
PLY Punktwolke oder Netz mit Farbwerten
ASC Reine Punktwolke, für die Weiterverarbeitung in Fremdsoftware
PDF Prüfbericht mit Messwerten, Abweichungs- und Farbkarte

Die wichtigste Einschränkung

Ein Scan ist noch kein CAD-Modell

Das ist der Punkt, an dem die meisten Erwartungen auseinandergehen — deshalb steht er hier so deutlich.

Ein Scan liefert ein Dreiecksnetz: die Oberfläche des Objekts, zerlegt in viele kleine Flächen. Damit lässt sich drucken, vergleichen und visualisieren. Was er nicht liefert, ist ein bemaßtes Volumenmodell mit Konstruktionsbaum — also nichts, worin du eine Bohrung um zwei Millimeter verschiebst oder einen Radius änderst.

Der Weg vom Netz zum bearbeitbaren Modell heißt Reverse Engineering und ist Handarbeit: Flächen erkennen, Regelgeometrie ableiten, sauber neu aufbauen. Das dauert je nach Bauteil länger als der Scan selbst.

Sag bei der Anfrage, was du damit vorhast. Willst du das Teil nur nachdrucken, reicht das Netz. Willst du es ändern, anpassen oder in eine Baugruppe einbauen, brauchst du die Nachkonstruktion — und die kalkuliere ich getrennt.

Mehr zur CAD-Konstruktion

Vom Netz zurück zur Konstruktion

Flächenrückführung

Flächenrückführung ist der deutsche Begriff für das, was im Abschnitt davor steht: aus dem Dreiecksnetz wieder ein Modell machen, mit dem sich konstruieren lässt. Je nach Bauteil führen zwei verschiedene Wege dorthin.

Technische Teile

Bei allem, was aus Ebenen, Zylindern, Bohrungen und Radien besteht, wird nicht die Oberfläche nachgebildet, sondern die Konstruktion rekonstruiert. Ich erkenne im Netz, welche Regelgeometrie dahintersteckt, und baue das Teil in Fusion 360 neu auf — mit Skizzen, Maßen und Konstruktionsbaum. Das Ergebnis ist ein sauberes Volumenmodell, an dem du später jede Bohrung verschieben kannst.

Nebeneffekt: Ein nachkonstruiertes Teil ist oft genauer als der Scan. Gerundete Maße lassen sich auf ihren offensichtlichen Sollwert zurückführen — aus 9,97 mm wird wieder 10 mm, aus 89,8 Grad wieder ein rechter Winkel.

Freiformflächen

Bei gewölbten Abdeckungen, Griffen oder gegossenen Gehäusen gibt es keine Regelgeometrie, auf die sich zurückführen ließe. Hier werden Flächen über das Netz gelegt und zu einem geschlossenen Körper verbunden. Das Ergebnis lässt sich anpassen und weiterverwenden, ist aber kein bemaßter Konstruktionsbaum — die Form bleibt die Form.

Was dabei herauskommt

Ein STEP-Datensatz, der sich in jedem CAD-System öffnen lässt, auf Wunsch zusätzlich die native Fusion-360-Datei. Und das gefertigte Teil, wenn du gleich weitermachen willst.

Zum Aufwand. Die Flächenrückführung dauert regelmäßig länger als der Scan und wird getrennt kalkuliert. Wie viel länger, hängt am Bauteil — ein einfaches Frästeil ist schnell aufgebaut, ein verripptes Gussgehäuse beschäftigt mich deutlich länger. Nach dem Scan sage ich dir, in welchem Bereich du liegst, bevor ich anfange.

Was sich schlecht scannen lässt

Glänzende, spiegelnde und durchsichtige Oberflächen. Optische Scanner arbeiten mit Licht — was das Licht durchlässt oder spiegelt, sehen sie nicht. Mit den blauen Laserlinien des MetroY geht bei glänzenden Teilen oft schon ohne Vorbehandlung viel. Stark spiegelnde und durchsichtige Teile werden vorher mit einem mattierenden Spray behandelt, das sich rückstandsfrei entfernen lässt. Das kostet einen Arbeitsgang, den ich im Kostenvoranschlag ausweise.

Sehr dunkle Oberflächen schlucken das Licht. Der MetroY kommt damit oft zurecht; wo nicht, hilft dasselbe Spray.

Tiefe, enge Hohlräume. Was der Scanner nicht sieht, entsteht nicht. Die Einzellinie des MetroY reicht tiefer in Taschen hinein, ganz verschwindet die Grenze damit aber nicht: Innenliegende Kanäle und Hinterschneidungen bleiben leer — dort hilft nur Messen und Konstruieren.

Draußen und bei starkem Licht. Gescannt wird in der Werkstatt unter kontrollierten Lichtverhältnissen, nicht auf dem Hof.

Was ein Scan kostet

Warum hier keine Preisliste steht

Jedes Teil ist anders, und ein Festpreis je Scan wäre entweder für dich zu teuer oder für mich nicht zu halten. Stattdessen steht hier, wovon der Preis abhängt — damit du vor der Anfrage einschätzen kannst, in welche Richtung es geht.

  • Größe des Objekts. Was auf den Drehteller passt, ist in einem Durchgang aufgenommen. Große Teile werden freihand abgefahren und aus vielen Einzelscans zusammengesetzt — das dauert länger.
  • Oberfläche. Matt und hell ist der Idealfall. Glänzende, dunkle oder durchsichtige Teile brauchen je nach Scanner einen Auftrag mattierendes Spray und danach das Entfernen — ein zusätzlicher Arbeitsgang.
  • Geometrie. Hinterschneidungen, tiefe Taschen und enge Durchbrüche verlangen viele Aufnahmen aus wechselnden Richtungen. Ein flaches Teil ist in Minuten erfasst.
  • Was du brauchst. Nur das Netz zum Nachdrucken ist die günstigste Variante. Soll-Ist-Vergleich mit Prüfbericht, Flächenrückführung oder die anschließende Fertigung kommen jeweils getrennt dazu.
  • Farbe. Texturaufnahme ist ein eigener Durchgang und lohnt nur, wo das Aussehen zählt.
So kommst du an eine Zahl. Schick mir ein Foto des Teils, die ungefähren Maße und einen Satz dazu, was du damit vorhast. Du bekommst einen Kostenvoranschlag, bevor irgendetwas berechnet wird — und wenn sich dein Fall nicht lohnt, sage ich dir das auch.

So läuft ein Scanauftrag

  1. Du beschreibst das Objekt

    Ungefähre Größe, Material, Oberfläche — und wozu der Scan dienen soll. Ein Foto hilft mehr als jede Beschreibung.

  2. Das Teil kommt in die Werkstatt

    Per Versand oder persönlich. Bei sehr großen oder ortsfesten Objekten klären wir, ob ein Termin vor Ort möglich ist.

  3. Scan und Aufbereitung

    Aufnahme mit dem passenden Scanner in der passenden Betriebsart, Zusammenfügen der Einzelscans, Schließen von Lücken, Bereinigen des Netzes.

  4. Du bekommst die Datei oder den Prüfbericht

    Im gewünschten Format beziehungsweise als PDF, per Mail oder Cloud-Link. Das Teil geht zurück.

  5. Auf Wunsch: nachkonstruieren und fertigen

    Aus dem Netz entsteht ein bearbeitbares Modell, daraus das neue Teil — gedruckt, gefräst oder beides.

Anfrage

Beschreib dein Vorhaben.

Du bekommst einen Kostenvoranschlag, keine Rechnung für die Beratung. Wenn dein Teil hier nicht richtig ist, sage ich dir das — und nach Möglichkeit auch, wo es richtig wäre.

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